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Nach einer verbreiteten Definition, wie sie heute in Handbuch- und Lexikonartikeln vertreten wird, ist die Rhetorik die Lehre vom persua-siven Sprechen, das heißt von den Mitteln und Techniken der Über-zeugung oder Überredung durch eine Rede. Gegenstand der Rhetorik ist es nach dieser Auffassung, »die Möglichkeiten zu erforschen und die Mittel bereitzustellen, die nötig sind, die subjektive Überzeugung von einer Sache allgemein zu machen« (Ueding / Steinbrink 1986: 1).
Tatsächlich lassen sich einige Bereiche der Rhetorik wie etwa die Theorie der Gerichtsrede sehr gut unter dem Oberbegriff ‘persuasives Sprechen’ fassen.
Die Rhetorik beschäftigt sich als persuasive Rhetorik mit der Frage, wie ein Redegegenstand am überzeugendsten präsentiert werden kann. Der sprachliche Ausdruck, die Beziehung des Redners zum Publikum sind Mittel, eine Überzeugung zu vermitteln. Mitunter wird das Redeziel sogar nicht so sehr durch die vorgetragenen Gedanken als durch die Art des Vortrags erreicht.
Doch ist die Rhetorik weit mehr als eine Theorie des Überzeugens; sie lehrt nicht nur die Kunst des persuasiven Sprechens, sondern etwa auch die der Identitätsstiftung durch Texte. Sie bietet eine weit allgemeinere Lehre der Textproduktion und beschäftigt sich mit den einzelnen Arbeitsschritten, die vom Redeanlaß bis hin zum Redevortrag reichen. Dabei stellt sie vor allem auch Instrumentarien bereit, die es erlauben, den Gegenständen, den Redesituationen, den Adressaten usw. gemäß zu sprechen. Die Rhetorik ist nicht zuletzt auch ein heuristisches Instrument, das die Aneignung, Speicherung und Darbietung von Wissensschätzen lehrt, denn die Redekunst ist immer zugleich auch eine Kunst der Darbietung zunächst eruierten Wissens.
Die Rhetorik erweist sich so als eine umfassende Lehre vom gespro-chenen und geschriebenen Wort und kann in allgemeinster Form defi-niert werden als eine systematische gegenstands-, situations- und part-nerbezogene Ausdruckskunst, als eine soziale Institution, als ein In-strument zur Speicherung und beständigen Aktualisierung kollektiver Wissensbestände.
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