RHETORIK HOMEPAGE |
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| PRODUKTIONSSCHRITTE TOPIK AUFBAU TROPOLOGIE RHETORISCHE FIGUREN LITERATUR | ||||||||||
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Tropologie Allegorie – Antonomasie – Emphase – Epitheton ornans – Hyperbel – Ironie – Katachrese – Klangmalerei – Litotes – Metapher – Metonymie – Periphrase – Synekdoche – Synonym |
EinleitungEin besonderes Kapitel der Rhetorik gilt den bekannten Formen des Redeschmucks, den Tropen und Figuren. Obwohl sie häufig als typische Erscheinungen einer dichterischen Sprache angesehen werden, stellen sie einen Bestandteil der allgemeinen Rhetorik dar. In der Poetik (der Rhetorik der Dichtkunst) wird häufig auf die entsprechenden Passagen der allgemeinen Rhetorik verwiesen: Eine Vielzahl theoretischer Ansätze beschäftigt sich mit der Frage, was Bildlichkeit ist und wie sie 'funktioniert', und bemüht sich um eine Definition. Hier soll dagegen das spezifisch rhetorische Instrumentarium so vorgestellt werden, wie es seit der Antike gebräuchlich und bis weit in die Neuzeit bekannt war und bestimmend blieb. Die Lehre der Tropen und Figuren gehört in den Bereich der elocutio und ist weitgehend als Redeschmuck aufzufassen, der der Intensivierung und Ausschmückung der Rede dient. Der Redeschmuck beruht auf einer kunstvollen Abänderung der eigentlichen Aussage. Es wird hier von einer Differenz ausgegangen zwischen dem geschmückten Ausdruck des Textes und einer demgegenüber als ungeschmückt gedachten 'Nullstufe'. Diese Differenz - d.h. diese rhetorische Figur oder diese Trope - bezeichnet die Art der Veränderung. Sie kann auf sehr unterschiedliche Weise auf zwei Ebenen erfolgen: Die Tropen und Figuren sind Bestandteil des ornatus, des Redeschmucks. Dieser ist nicht lediglich als ein schmückendes Beiwerk zu verstehen. Vielmehr ist der Schmuck der Rede notwendiger Bestandteil einer jeglichen Art der Rede, "denn nur in der geschmückten und damit sprachlich vollkommenen Form wird der Gehalt der Aussage erkennbar" (Dyck, Ticht-Kunst 1969: 76). Der ornatus ist dabei fester Bestandteil der Wirkungsziele der Rhetorik, des docere, delectare und movere. Diesen Zielen ordnet sich die Wahl des Redeschmuckes unter, und diesen Zielen dient der Redeschmuck. Die Verwendung des ornatus steht entsprechend in funktionalem Zusammenhang mit der beabsichtigten Wirkung und wird in diesem Sinne auch in den Rhetoriken und Poetiken behandelt (z.B. Meyfart, Teutsche Rhetorica). Der Redeschmuck dient außerdem dazu, durch Abwechslung des sprachlichen Ausdrucks (varietas) dem Desinteresse des Publikums (taedium) entgegenzuwirken. Der Königsberger Professor der Dichtkunst, Johann Gotthelf Lindner, stellt 1771 einen anderen Zweck des Redeschmucks in den Vordergrund: Unter dem Abschnitt "Von der Zierlichkeit der Wörter" heißt es, die einzelnen Synonyme, Periphrasen, Epitheta, Tropen und Figuren dienten dazu, bestimmte falsche Ausdrucksweisen zu vermeiden: "1. Das Unehrbare und Pöbelhafte [
] Dem Redeschmuck in Einzelwörtern liegt das Verfahren der Substitution eines Wortes durch ein anderes zu Grunde, etwa die Ersetzung eines eigentlichen durch einen uneigentlichen Ausdruck (tropus) (Vgl. a. im Folg.: Ueding / Steinbrinck 21986: 265ff.) Die Ersetzung kann aus verschiedenen Gründen erfolgen, die vom 'besseren Klang' des Wortes über die Wahl eines intensiveren, deutlicheren Ausdrucks bis hin zur Verschlüsselung eines Ausdruckes reichen. Der Redeschmuck in Einzelwörtern besteht aus folgenden Formen: 1. Archaismus: Als Archaismus wird die Verwendung eines Wortes bezeichnet, welches aus dem Alltagsgebrauch seit einiger Zeit verschwunden ist. 2. Neologismus: Ein Neologismus ist eine Wortneuschöpfung des Redners. Die Wortneuschöpfung durch ungewöhnliche Komposition gehörte in der Frühen Neuzeit zu den weit verbreiteten poetischen Stilmitteln (-> Opitz, Poetik) und wurde bis zur manieristischen 'Dunkelheit' getrieben. 3. Tropen: Ein tropus ist ein uneigentlicher Ausdruck, der an die Stelle eines eigentlichen tritt; es findet bei der Rezeption eine translatio von der im Text gegebenen Bedeutenden (significans) zum ‘eigentlich’ gemeinten Bedeutenden (significatum) statt. »Tropen sind Differenzbegriffe«, welche die Art des Unterschieds zwi-schen eigentlichem und ersetztem Ausdruck bestimmen (Groddeck 1995: 209). Die Funktion der Tropen liegt nicht nur in der Ausschmückung und ‘poetischen’ Ausdrucksweise, sondern zunächst in der Verdeutlichung des Inhaltes. So heißt es in der Rhetorik von Lindner (1770/71), die Tropen dienten Eine Einteilung der Tropen kann vorgenommen werden je nach der ›Nähe‹ des ersetzenden zum eigentlichen Ausdruck. TropenlisteAllegorieDie Allegorie ist eine fortgeführte Metapher (metafora continuata), bei der Bildbereich eines metaphorischen Ausdruckes zu einem komplexen Zusammenhang ausgebaut wird. Letztlich wird nicht nur ein Ausdruck, sondern ein ganzer Gedankengang ersetzt und bildlich dargestellt. Deswegen finden sich auch Rhetoriken, in denen die Allegorie nicht unter die Tropen sondern unter die Gedankenfiguren (-> Rhet. Figuren) eingereiht wird. Beispiel: "wir drehen uns eine Zeitlang in diesem Platze herum wie die anderen Räder und stoßen und treiben bis wir wenns noch so ordentlich geht abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen [ ] und was bleibt nun der Mensch noch anders als eine vorzüglichkünstliche kleine Maschine [ ]" (J. M. R. Lenz, Über Götz von Berlichingen). "Während der ganzen Geltungsdauer der Rhetorik versteht man unter Allegorie zunächst und vor allem die in einer Bildebene fortgeführte Metapher. Der in der ersten Metapher eingesetzte Bildbereich wird in der Folge streng weitergeführt." (Windfuhr, Die barocke Bildlichkeit 1966: 82) Als Fehlerquellen im Gebrauch fortgesetzter Metaphern (Allegorien) nennt Lindner (1770/71: II) den plötzlichen Bildwechsel bzw. die Vermischung von Bildern und ihre übermäßige Ausweitung. Im weiteren Sinn kann unter Allegorie die bildliche Verschlüsselung abstrakter Ideen (allegorisceh Personfizierung) verstanden werden ("Göttin Justitia"). AntonomasieErsetzung eines Eigennamens durch ein Epitheton, das bei diesem Eigennamen stehen könnte oder durch eine Umschreibung. EmphaseEin umfassenderer Wortsinn wird durch einen nicht so umfassenden Ausdruck wiedergegeben. Der Leser oder Zuhörer muß etwa erfassen, was nicht ausdrücklich gesagt wurde. Entweder kann ein einzelnes Wort so betont werden, daß es eine besondere umfassende Bedeutung erhält, oder es kann ein Gedanke deutlich werden, der nicht ausgesprochen wurde. Die Notwendigkeit der Entschlüsselung wird häufig durch besondere Nachdrücklichkeit der Betonung signalisiert. "Kein Wunder, daß die Philosophen so philosophieren, wenn die Menschen so leben. Aber heißt das gelebt?" Epitheton ornansMitunter kann eine Kombination von Epitheton und Substantiv eine notwendige Einheit bilden, welche an der Stelle eines eigentlichen Ausdruckes steht; sie wäre dann als tropus aufzufassen. HyperbelDie Hyperbel ist eine Übersteigerung des eigentlichen Ausdrucks (z.B. "Wolkenkratzer"). IronieDie Ironie ist eine Verstellung des eigentlichen Sinnes durch das Gegenteil: "Dieser Ehrenmann hat Witwen und Waisen bestohlen." KatachreseEine Katachrese ist die Sonderform der notwendigen Metapher und Metonymie in dem Fall, daß kein eigentlicher Ausdruck vorhanden ist. Beispiel: Stecknadelkopf, Fisheye-Objektiv. Klangmalerei Die Lautqualität eines onomatopoëtischen Audrucks tritt an die Stelle des eigentlichen Ausdruckes. LitotesDie Litotes stellt eine absichtsvolle Untertreibung durch den Ausdruck des negierten Gegenteils dar. Diese Ersetzung führt allerdings nicht nur zur Abschwächung, sondern häufig gerade zur Verstärkung des Ausdrucks (vgl. 'understatement'): "Es ist mir nicht unbekannt,
" MetapherDie Metapher ist eine Substitution des eigentlichen Ausdruckes durch einen anderen, der nicht in einem tatsächlichen Zusammenhang mit ihm steht, also aus einem anderen Sachbereich stammt. Die Metapher kann auch bezeichnet werden als ein verkürzter Vergleich, bei welchem das Vergleichspartikel 'wie' weggefallen ist. Es heißt dann nicht: 'eine Frau wie eine Rose', sondern: 'sie war eine Rose'. "[
] ein Ball anderer zu sein, ist ein trauriger und niederdrückender Gedanke [
]" Häufig wird durch den Gebrauch des Bildes eine besondere Bedeutung hinzugewonnen. Ein Sonderfall entsteht, wenn nicht mehr die Trennung von bildlichem und eigentlichem Bereich vergegenwärtigt wird. Man spricht hierbei von verblaßten Metaphern: 'über etwas brüten' an Stelle von 'nachdenken'. Metaphern können eingeteilt werden nach den Herkunftsbereichen der ersetzenden Ausdrücke (Pflanzenmetaphorik, Perlenmetaphorik etc.). MetonymieEin eigentlicher Ausdruck wird durch einen aus demselben Sachbereich ersetzt (<-> Metapher!), welcher in einer tatsächlichen Beziehung zum ersetzten Ausdruck steht. Während einerseits jedoch eine offensichtliche Verbindung besteht, stammen andererseits die Begriffe aus unterschiedlichen Bezeichnungsebenen (<-> Synekdoche). Die Zuordnung ist nicht selten schwierig und kann bereits eine Interpretation darstellen. So kann man sagen: Jemand ißt sein Brot. Je nachdem, ob ich dies nun deute als Teil einer gedeckten Tafel oder als Symbol für den Lebenserhalt, handelt es sich um eine Synekdoche oder eine Metonymie. Es kann ersetzt werden: Werk durch Autor: Homer lesen Beispiel: "Wir werden geboren unsere Eltern geben uns Brot und Kleid unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften [
]" In beiden Fällen wird ein abstrakter Begriff (z.B. Alimentation, Gedächtnis) durch einen konkreten ersetzt, der als Symbol auf den abstrakten Begriff verweist. PeriphraseDie Umschreibung eines Wortes bietet sich besonders dann an, wenn der eigentliche Ausdruck als unschicklich, unschön gilt. Sie steht aber auch als Definition dort, wo kein Begriff existiert. Für August Buchner gehört die »Umbschreibung« zu den wichtigsten Kunstgriffen, um eine Rede zu variieren und »ansehnlich« zu machen (Buchner, Anleitung 1665: 62-67). »die Nacht, die Zeit der Finsterniß« Häufig geben die Paraphrasen, die aus den amplifikatorischen loci gewonnen werden können, mehr als eine synonyme Umschreibung, da sie zusätzliche Informationen enthalten können. »es wird Tag: Schon geht die Sonne auf, die Körper erhalten ihre Farben wieder; der Himmel wird heiter, der Vogel singt in den Lüften, und der Mensch geht an seine Arbeit« Als Kunstgriff kann die Periphrase auch als Verrätselung eines Begriffs erscheinen. SynekdocheVerwendung eines Wortes, das entweder weniger oder mehr umfaßt als das eigentliche: pars pro toto: die Versammlung zählte 20 Köpfe Die Unterscheidung zwischen Synekdoche und Metonymie bereitet Probleme und ist in der Literatur nicht einheitlich geregelt, wie das folgende Beispiel aus August Buchners Poetik zeigt: »Es pflegen sich auch insgemein die Poeten der Synecdochen zu gebrauchen/ das ganze vor ein stück/ und dieses vors ganze zusetzen/ so kann ich die Sterne vor den Himmel/ und den Himmel vor die Sterne setzen: weiter das Dorf vor die Bauren/ die Stadt vor die Bürger ausbringen. Wie denn Opitius in der Hercinie/ wenn er den Lentzen beschreibet/ sagt: SynonymDie einfachste Möglichkeit der Ersetzung eines Ausdruckes durch einen anderen besteht in der Wahl eines Synonyms, die etwa aus stilistischen Gründen erfolgt, um eine größere Abwechslung (variatio) zu erreichen. Tatsächliche Homonyme sind allerdings selten. Dagegen bietet sich die steigernde Häufung quasi-synonymer Ausdrücke an(die Synonymenreihung): »bitten, flehen, beschwören« (Lindner 1770/71: II, 38) »Doch muß man sich nicht hinter Pallisaden von Synoymen verstecken.«
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