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"Diese Gemeinsamkeiten also hat man deshalb loci genannt, weil sie ebensowohl alles, was nur von einer Sache gesagt werden kann, als auch alle Argumente in sich enthal-ten, da in ihnen wie in einer Art Zufluchtsort und Vorratskammer alle Werkzeuge zur Herstellung von Glaubwürdigkeit aufbewahrt sind. Ein locus ist also nichts anderes als ein Merkmal, das eine Sache mit anderen gemein hat und durch dessen Anleitung aufgefunden werden kann, was an jedweder Sache glaubhaft ist. So also soll für uns der Begriff locus definiert sein."
(Rudolf Agricola ca. 1479, Übers. Lothar Mundt 1992)
 

 


Topik

 

Den Grundbestand der Topoi oder loci bilden die folgenden Fundstätten der Argumente, die nach einem einfachen Muster aufgeteilt sind, da – so liest man seit der römischen Zeit in Rhetoriken – sämtliche Gegenstände entweder auf eine Person oder auf eine Sache bezogen sind. Entsprechend werden bei Quintilian Personal- und Sachtopoi un-terschieden. Selbst wenn sich – wie etwa bei Rudolf Agricola (1539) – im Rahmen einer „inventio dialectica“ weit komplexere Topiken in der Literatur finden, vermag dieser Katalog, die Aufgaben und Funktionsweise der Topik zu illustrieren. Nicht zuletzt stellt er ein schlichtes Schema von praktischer Relevanz dar.

Die Topik liefert so ein Raster von Gesichtspunkten, daß in seiner ein-fachen Struktur besonders als Merkform geeignet ist. Die Topik hat nämlich nicht allein inventorischen Charakter, sondern auch einen mnemotechnischen. Der Redner soll die Topoi wie ein Abecedarium durchlaufen können, und so selbst bei einer Spontanrede keinen Ge-sichtspunkt vergessen, denn das Findesystem kann nur dann sinnvoll sein und erfolgreich angewendet werden, wenn der Redner es ohne weiteres Nachdenken abrufen kann (Strukturiertheit und Memorierbarkeit).

>> Topik/memoriale Funktion
>> memoria

loci a persona:

genus, Abstammung (nicht unbedingt leiblich, familiär, sondern auch Disziplin etc., so bei Weise)
natio, nationale Unterschiede
patria
, Vaterland
sexus
, Geschlecht
aetas
, Altersstufe
educatio et disciplina
, Erziehung und Ausbildung
habitus corporis
, Körperbeschaffenheit
fortuna
, Vermögensverhältnisse / Schicksal
conditio
, soziale Stellung
animi natura (Wesensart)
studia
, Beruf
quid affectet quisque
(Vorlieben und Neigungen),
ante acta dicta
(Vorgeschichte),
nomen
, Namen

loci a re:

loci a causa, nach der Ursache
loci a loco, nach dem Ort der Handlung
loci a tempore, nach den Zeitumständen
loci a modo, nach der Art und Weise
loci a facultate,
loci a finitione (aus der Definition und Abgrenzung)
loci a simili, nach Ähnlichkeiten
loci a comparatione, durch Vergleichung
loci a fictione (fingierte Umstände)
loci a circumstancia, durch die Umstände usw.