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In der klassischen Rhetorik waren schriftliche Notizen verpönt, bei Ge-richtsreden tlw. ausdrücklich untersagt. Eine der wichtigen Aufgaben des Redners war es also auch, sich die Rede ins Gedächtnis einzuprägen. An den humanistischen Schulen wurden die Reden auswendig gelernt und frei gehalten.
Ein gutes Gedächtnis galt dabei durchaus auch als eine angeborene Fähigkeit, dennoch wurde im Rahmen der Rhetorik das Vermögen des Gedächtnisses als trainierbar angesehen, und man machte sich Gedanken über Erinnerungstechniken.
In den Rhetoriken der Frühen Neuzeit etwa werden häufig Hinweise zum Memorieren der Rede gegeben. Diese reichen von dem Tip, wichtige Stellen in einer Farbe, Absatzanfänge in einer anderen zu markieren, bis hin zur Verknüpfung der Redeabschnitte mit bestimm-ten äußeren Merkpunkten (die Balken eines Zimmers etc.), die als memoriae artificiales bezeichnet werden.
Den meisten mnemotechnischen Ratschlägen liegt der Gedanke zugrunde, daß bildräumliche Vorstellungen leichter im Gedächtnis bleiben als abstrakte Denkgebäude. Beliebt war der Vergleich der Rede mit einem Haus.
Der Redner sollte die Teile einer Rede mit ihren jeweiligen Argumentationen bzw. Re-depunkten als Räume in einem Haus imaginieren, die er dann nach und nach durchwandern könne.
Auch pharmazeutische subsidia memoriae werden mitunter diskutiert.
Ich wolte aber dis das beste Recept zu seyn bekennen, wenn man fleißig betet, die Oration zweymal abschreibet, so wird man dem Gedächtniß helffen. (Männling 1718: 273)
Ein niedergeschriebenes Konzept erlaubt Hallbauer (1725: 544) lediglich den älteren Rednern, besonders wenn sie mit vielen Aufgaben betraut sind. Den Jüngeren stünde allerdings ein Konzept nicht an.
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