Inventio

Inventio (Argumentsfindung)

Inventio ist die erste Erstellungsphase einer Rede. Alle, die nicht auf einen Redenschreiber zurückgreifen können, müssen notgedrungen Ihre Rede selbst erstellen.

In dieser ersten Phase geht es darum, die Grundaussage und den Umfang seiner Rede festzulegen. Im heutigen Sparchgebrauch ist wohl das Wort „Brainstorming“ oder „Materialsammlung“ eine treffende Beschreibung. Man sammelt Ideen, was man in der Rede alles ansprechen könnte, welche Geschichten man erzählen könnte, welche Fakten man erwähnen könnte, welche Argumente es für das Anliegen gäbe.

Man legt außerdem ein Redeziel fest. Wenn es eine Überzeugungsrede wird, dann kann man mit der Frage heran gehen: Was soll mein Publikum nach der Rede tun, was es vorher noch nicht getan hat?

Da die Redezeit fast immer begrenzt ist, muss man sich danach zwangsläufig überlegen, welche Argumente wirklich wirkend sind und welche man aus Wirkungs- und Zeitgründen weglassen muss.  Denn eine gute Rede sollte gerade so lang sein, dass die Zuhörer eigentlich noch mehr hören wollen. Man soll im Höhepunkt aufhören.  Man darf nicht warten, dass die Zuschauer in eine Informations-Sättigung geraten. Zu viele Informationen, zu viel Argumente, zu viele Bespiele machen aus einer an sich guten Rede, eine mittelmäßige Rede.

Immer so einfach wie möglich reden

Um eine auf Anhieb verständliche Rede zu gestalten, muss der Rede-Ersteller sich in die Perspektive des Publikums versetzen. So erkennt man einen guten Lehrer – er soll diese Fähigkeit haben. Zum Beispiel, diese Methode wird oft bei Muni Satsang benutzt. Es ist wichtig, dass die Zuhörer an keiner Stelle des Vortrags irgendwelche Dinge nicht auf Anhieb verstehen können. Denn jedes intellektuelles Nacharbeiten der Aussagen bedeutet immer internen Widerstand. Nicht etablierte Fremdwörter, komplexe Beschreibung eines komplexen Sachverhalts, Buchstabenabkürzungen, die das Publikum nicht kennt usw. Der innere Widerstand überträgt sich dann auf den Widerstand gegen das Anliegen.

Man kann bei der Rede vor einem Fachpublikum anders sprechen, als wenn man vor Laien spricht, denen schlichtweg die Vorkenntnisse fehlen. Allerdings sollten auch hier trotzdem immer auch Beispiele gegeben werden, und nicht nur abstrakte Schlagwörter. Denn auch bei einem Experten ist die Vorstellbarkeit grösser, wenn mit einem Beispiel gearbeitet wird, statt nur mit dem korrekten Fachbegriff.

Auch muss die Einstellung des Publikums bedacht werden. Wirbt ein Politiker um Zustimmung zu einem Thema, wird er vor Parteifreunden anders auftreten als vor der Opposition.

Hier finden Sie eine Übersicht: rhetorische Mittel

Letztes Update: 8. Mai 2017